Rettet den Regenwald!

Alles, worüber man (hoffentlich) lachen kann.
Benutzeravatar
Frodo
Beiträge: 11042
Registriert: Montag 28. April 2003, 18:30
Wohnort: D-33165 Henglarn
Kontaktdaten:

Rettet den Regenwald!

Beitragvon Frodo » Freitag 18. Juli 2003, 11:33

Gestern morgen habe ich einen Werbespot mit Günter Jauch gesehen dem zu
entnehmen war, daß die Krombacher Brauerei und Greenpeace ein
beispielloses Projekt zur Rettung des Urwaldes ins Leben gerufen haben:
Für jeden getrunkenen Kasten Krombacher Bier werden sie 1m² Urwald
retten. In mir erwachte sofort der bisher tief in meinem Innersten
verborgen gewesene Naturfreund und Umweltschützer und so beschloß ich,
auch meinen Beitrag zur Rettung der Urwälder beizutragen.

Während ich so mit der Rettung des einen oder anderen Meters Regenwald
beschäftigt war, kam meine Frau nach Hause. Bei der anschließend
geführten hitzigen Debatte mit ihr machte ich vermutlich die gleiche
Erfahrung wie Tausende andere Umweltschützer vor mir auch: Ich stieß auf
völliges Unverständnis. Der Urwald schien ihr völlig egal, mein
Engagement für die Natur und das Leben aller Menschen lehnte sie völlig
ab. Sie wollte nicht verstehen, daß man eine so große Aktion wie die
Rettung der Natur nicht aufschieben kann, ganz gleich, ob es erst
Vormittag ist oder nicht.

Da sie in keiner Weise einsichtig war und man(n) bereit sein muß, für
die Vollbringung solcher Taten Opfer zu bringen, verließ ich das Haus.
Niedergeschlagen, nein traurig, lief ich zunächst ziellos umher. Angst
beschlich meine Gedanken. Angst um die Wälder. Verzweiflung machte sich
tief in meinem Inneren breit, denn mit jeder verstrichenen Minute hätte
ich wieder einige Quadratzentimeter unwiederbringlicher Natur retten
können. Die Angst schnürte meine Kehle zu, die Verzweiflung ließ meinen
Hals austrocknen. Wie groß war da meine Freude, als ich unerwartet auf
eine Versammlung gleichgesinnter Umweltaktivisten traf! Ich erkannte sie
sofort, denn als Zeichen ihrer Verbundenheit hielten sie alle eine
Flasche Krombacher in der Hand, die sie demonstrativ leerten. Schnell
nahmen sie mich in ihre Mitte auf und so erfuhr ich sehr bald, daß
einige von ihnen sich bereits seit Jahren mit der Rettung ganzer
Kontinente beschäftigen, unbeachtet von der Öffentlichkeit, genau hier,
an diesem Kiosk! Ich bewunderte die Zeichen ihres teilweise jahrelangen
Kampfes:

Die von den Entbehrungen ausgemergelten Körper, die zum Aufforsten
nötigen, prallen Bäuche, der Geruch nach Jahrtausende altem Urwaldboden,
die mannigfaltigen Insekten und ich übersah auch nicht, daß sich einige
beim Kampf um die Natur wohl die Zähne ausgebissen hatten. Nachdem wir
zusammen eine ungefähr tennisplatzgroße Menge natürlichem Urwaldes
gerettet hatten, stellte ich fest, daß der Schutz und die Rettung der
Umwelt ihren Tribut zollten. Durch das lange Stehen schmerzten meine
Füße, die Waden krampften, selbst die Zunge war durch die langen
Debatten in ihrer Funktionsweise beeinträchtigt: Ich hatte immer größere
Mühen beim Aussprechen der großen Buchstaben eines Satzes oder Wortes.
Aus diesem Grund beschloß ich, die Versammlung zu verlassen und machte
mich auf die Suche nach weiteren Mitstreitern.

In einer Gaststätte ganz in der Nähe wurde ich dann auch sofort wieder
fündig: Gut ein halbes Dutzend Umweltler hatte sich dort eingefunden und
arbeitete hier im Verborgenen an der Rettung der natürlichen Ressourcen.
Schnell war ich aufgenommen. Ich war gerührt als der Wirt meine Hand
nahm und mir sagte: "Junge, rette den Urwald, wir zählen auf Dich", und
orderte die 4te Lokalrunde um unsere Aktion voranzutreiben. Da die
anderen Gäste darauf bestanden, neben dem Urwald auch zusätzlich Gebiete
wie die Sahara, die Wüste Gobi und den Rheingau wieder aufzuforsten und
somit auch den Aufbau des heimischen Waldbestandes zu unterstützen,
blieb mit nichts anderes übrig, als zu der Runde noch Jägermeister zu
ordern. Ganz schwindlig war mir vor Stolz und Glück, als ich viel später
die Kneipe verließ. Plötzlich sah ich die Welt mit anderen Augen! Leicht
verschwommen zwar, aber dafür sah, nein fühlte ich, daß sich unsere gute
Mutter Erde drehte. Nicht gleichmäßig und in eine Richtung, nein, es
waren eher ruckartige Bewegungen in abwechselnde Richtungen. Welch eine
Erfahrung!

Vor Glück taumelnd lief ich zu meinem Auto und beschloß, einen
Demonstrationszug durch die Kneipen der Innenstadt durchzuführen, um die
vielen anderen Menschen auf die Probleme aufmerksam zu machen. So fuhr
ich in Richtung Stadt und war gerade einem Ozonloch ausgewichen als ich
am Straßenrand einen Streifenwagen entdeckte. Auf der Fahrbahn standen
mehrere Polizisten und schauten in meine Richtung. Sie mußten von meinem
Vorhaben erfahren haben, denn sie hielten gezielt mein Fahrzeug an. Von
Vorkontrollen bei Demonstrationen hatte ich ja bereits gehört, war aber
dennoch verwundert, wie schnell sich das rumgesprochen hatte. Nachdem
ich angehalten und aus meinem Wagen gestiegen war, entschloß ich mich zu
einer spontanen Sitzblockade auf der Straße. Wenn ich im nachhinein
darüber nachdenke, war es keine rationell erklärbare Aktion, eher ein
Zwang meines Unterbewußtseins. Ich saß und mein Körper weigerte sich
wieder aufzustehen. Mir widerfuhr das gleiche Schicksal wie
Sitzblockierern in Brockdorf oder entlang der Castor - Strecke: Ich
wurde durch die Polizisten weggetragen. Auch sie wollten den Ernst der
Lage nicht verstehen, obwohl ich sie immer wieder darüber aufklärte.
Später, auf dem Revier erschien dann endlich ein vernünftiger Mensch. Er
hörte sich mein Problem in aller Ruhe und sichtbar interessiert an und
erklärte mir dann, daß er die Anzahl der von mir geretteten Bäume
feststellen wolle. Ich hätte den Schutz der Umwelt quasi im Blut und er
bräuchte aus diesem Grund etwas davon. Ich war glücklich, diesen
verständnisvollen Menschen getroffen zuhaben. Mein Engagement würde
amtlich festgehalten und der Nachwelt erhalten! Dafür gab ich ihm gerne
mein Blut. Wenig später befand ich mich zu Fuß auf dem Weg nach Hause.
Meinen Wagen hatten die netten Beamten behalten, damit er durch seine
Abgase nicht alle meine Bemühungen wieder zerstört, wie sie mir
erklärten. Auch haben sie mir fest versprochen, nach dem
Recyclingverfahren aus meinem Führerschein ein Flugblatt zur
Unterstützung der Rettungsaktion zu machen. Froh und mit der Gewissheit,
etwas großartiges getan zu haben ging ich dann nach Hause. Unterwegs
rettete ich an der Tankstelle noch ein paar Pflänzchen und erinnerte
mich an eine alte Weissagung der Indianer:
Erst, wenn die letzte Ölplattform versenkt, die letzte Tankstelle
geschlossen, das letzte Auto stillgelegt, die letzte Autobahn begrünt
ist, werdet Ihr feststellen, daß Greenpeace nachts kein Bier verkauft.
In diesem Sinne wünsche ich einen frohen Tag.
Ich geh jetzt nochmal 'n bisschen Wald retten.

Benutzeravatar
The_Beetledriver
Beiträge: 1546
Registriert: Donnerstag 17. April 2003, 08:12
Wohnort: Neuss

Beitragvon The_Beetledriver » Freitag 18. Juli 2003, 16:03

Da ist die Beetlewaschparty ja gut für die Umwelt! :wink:
:P Ein Leben ohne Beetle ist möglich, aber doof :P


Zurück zu „Fun“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste