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NOKIA-Schließung in Bochum
Verfasst: Freitag 18. Januar 2008, 22:01
von Krabbel
Ich bin zwar nur indirekt betroffen (NOKIA Deutschland ist einer der größten Kunden meines Arbeitgebers), aber dennoch möchte ich euch bitten, den nachfolgenden Protest mit zu unterschreiben:
http://www.nrwspd.de/nonokia/
Für Ralf und mich steht jedenfalls fest, dass unsere nächsten Handys keine NOKIA-Geräte mehr sind! Vielleicht seht ihr das ähnlich?!?
Vielen Dank für eure Solidarität! Es ist vermutlich das einzige, was den Bochumern momentan Kraft gibt. Eine Schließung wird dadurch wahrscheinlich nicht verhindert, aber wer weiß das schon...
Verfasst: Samstag 19. Januar 2008, 10:43
von Redbug
Hi Jessica,
das sehe ich ähnlich, nur missbraucht die Politik 'ihre angebliche Anteilnahme' mal wieder für ihre Zwecke !!!
Ändern wird das nichts, leider !!!
Nokia war/ist übrings der letzte Hersteller von Handys in Deutschland, das war mal ganz anders im Jahre 2000 !!!
Ich werde deswegen nicht die Marke wechseln, wohin auch ?!
LG
Heiko
Verfasst: Samstag 19. Januar 2008, 20:47
von Porcupinetree
Habe auch mal unterschrieben. Arbeite auch bald bei einem grösseren Unternehmen. Und da kann eine Rationalisierung jeden treffen!!!
Verfasst: Montag 21. Januar 2008, 09:37
von rote Zora
Ich finde die Schließung auch eine riesige Sauerei, doch frage ich mich mich auch, ob unsere Regierung WIRKLICH nichts von der Schließung vorher wusste.
Subventionsheuschrecken nenn ich sowas

Verfasst: Montag 21. Januar 2008, 10:30
von Bodyshelly
wird Nokia Schule machen?
Wenn man sich so anschaut, was die Herstellung eines Handys kostet, mag man das kaum glauben (und man fragt sich, warum man für Handys ohne Vertrag manchmal mehrere Hundert Euro zahlen muss).
35 Prozent der Gesamtkosten von rund 25 Euro entfallen auf den Computerchip, das sind 8,75 Euro
1 Prozent kostet das Display (3,75 Euro)
15 Prozent verschlingen Kamera, Akkus und Gehäuse (3,75 Euro)
10 Prozent kostet die Software (2,50 Euro)
4 Prozent machen die Lohnkosten aus. Das entspricht 1 Euro.
Der Rest entfällt auf Vertrieb und Marketing
Doch warum wird das Bochumer Werk geschlossen? Es arbeitet mit weniger als 5 % Lohnkosten rentabel. Die Antwort: Es passt nicht in die Konzernstrategie. Strategie der Finnen: Um möglichst flexibel auf den stark schwankenden Bedarf bei Handys reagieren zu können, legt man großen Wert darauf, dass die Zulieferer unmittelbar am Werkstor sitzen. Und hier sei es nicht gelungen, die Zulieferer - zum Beispiel die Hersteller der notwendigen Verpackungen - nach Bochum zu bekommen. Denen sei der Standort zu teuer.
Handelt Nokia also konsequent und richtig, wenn es den "Exoten-Standort" Bochum dicht macht und die Produktion nach Rumänien verlegt? ("Exot" deshalb, weil Bochum der einzige Standort weltweit ist, der nicht in einem Niedriglohnland liegt und bei dem die Zulieferer nicht vor der Haustür ansässig sind). Die Frage hat 2 Aspekte: einen menschlichen - und einen strategischen.
Strategisch ist die Entscheidung richtig. Menschlich nicht. Aber sie wird nicht rückgängig gemacht werden. So lange und sorgfältig hat das oberste Nokia-Management sie vorbereitet.
Letztendlich, und das zeigt das Beispiel Nokia einmal mehr, ist unintelligente Handarbeit in Deutschland im Massengeschäft nicht mehr realisierbar. Vor allem dann, wenn der Verbraucher selber Fernseher, Mode, Computer und eben auch Mobiltelefone noch ein bisschen billiger einkaufen möchte.
Nokia mag im Bochumer Werk (noch) profitabel arbeiten. Doch angesichts des Preisverfalls, den die Handyhersteller hinnehmen müssen, ist der Kampf um jeden Cent, der in der Produktion einzusparen ist, für die Bochumer Beschäftigten schmerzhaft. Für Nokia ist es überlebenswichtig, ihn zu gewinnen. Denn damit sichert sich der Konzern zwei elementare Eigenschaften: die Fähigkeit, im Innovationswettlauf an der Spitze zu bleiben - und dafür das nötige Kapital zu besitzen. Letztendlich gilt: Aufgabe des Managements ist es nun mal, zu handeln, bevor Probleme entstehen.
Menschlich sieht das ganz anders aus:
2.300 Nokia-Mitarbeiter, dazu 1.000 bei den Zulieferern und Logistikern sowie 500 Leiharbeitnehmer verlieren ihre Jobs. Das sind umgerechnet auf Familien mindestens 10.000 Einzelschicksale, die von dieser Werksschließung betroffen sind. Doch der abgefahrene Zug kann nicht mehr gestoppt werden:
Nokia hat die mit der in Deutschland erhaltenen Subvention eingegangenen Verpflichtungen vertragstreu eingehalten. Und auch juristisch ist der Schritt unangreifbar. Wenn Betriebe von Finnland nach Deutschland verlegt werden, dann muss es auch möglich sein, dass Betriebe von Deutschland nach Rumänien verlegt werden.
Der Fall Nokia zeigt damit vor allem eines: Der Standortwettbewerb geht weiter. Und das ist kein gutes Ohmen für die kommenden Tarifverhandlungen, bei denen Lohnforderungen von 8 Prozent plus und mehr im Raume stehen.
Verfasst: Montag 21. Januar 2008, 14:09
von hasibaer
nonokia wird nur dazu führen, das Nokia als notleidendes Unternehmen noch mehr EU-Subventionen abgreift.
weil den Arbeitsplatzabbau in Bochum haben wir alle mit unseren Steuergeldern bezahlt.
denn die rumänischen Subventionen für das Nokia-Werk werden aus EU-Subventionen bezahlt.
wir sind die Netto-Zahler der EU.
und die Gelder werden aus unserem Steueraufkommen bezahlt.
P.S. ich habe und hatte kein Nokia Gerät.
Verfasst: Montag 21. Januar 2008, 14:17
von rote Zora
Nokia zieht aber nach Rumänien und die EU hat schon direkt gesagt, dass sie keine Gelder mehr bekommen werden.
Gut, Papier ist geduldig .....

so eine Schei..
Verfasst: Montag 21. Januar 2008, 14:22
von Highlander
Und ich dachte immer,
das ist ein guter, sozial und engagiertes Unternehmen
Erst Siemens, nun Nokia......was für'n Handy soll ich demnächst kaufen, WELCHEM Hersteller/Firma kann man noch gutes Nachsagen
Ich finde das voll doof, das Bochum nun drunter leiden muss :ei:
Aber können wir es ändern

wenn schon eher auf politischer Basis wegen der Subventionen ggf. :helpme:
Denke auch, das die Politik der Globalisierung hinterhinkt und die Firmen die Gesetzes gut ausnutzen, weil die Berater dort schneller sind.......!
Verfasst: Montag 21. Januar 2008, 14:57
von derspieder
Die Globalisierung, die auf der einen Seite anderen Menschen Wohlstand bringt, sichert uns langfristig mehr Frieden.
Gönnen wir doch einfach den Leuten in Rumänien auch am Wohlstand zu partizipieren, dann brauchen Sie bei uns keine Autos mehr zu klauen.
Nokia würde ich noch nicht einmal den grossen Vorwurf machen, obwohl es mich schon berührt wenn auf einmal viele Arbeitsplätze wegfallen. Moralisch sicherlich bedenklich, aber sie sind ja eigentlich nicht weg, sondern sind nur woanders.
Schade um unsere Steuergelder, aber das haben die Politiker zu verantworten. So schmerzhaft es auch ist, aber ich mache die Politik in Westfalen dafür verantwortlich, denn Nokia hat sich an die Verträge gehalten.
Und die verantwortlichen Politiker der Subventionsentscheidung für Nokia kassieren heute bestimmt eine verhältnismässig hohe Pension, denen ist es doch scheissegal was mit Ihren früheren Entscheidungen jetzt passiert.
Die Subventionen hätte man lieber in andere Massnahmen stecken sollen, (z.B. den Mittelstand fördern), dann hätten heute noch viele Leute eine Arbeit.
Verfasst: Montag 21. Januar 2008, 15:02
von Olaf
Sicherlich ist es für die Betroffenen schlimm. Aber über das warum und wie wage ich mir kein Urteil abzugeben, weil ich, und die meisten anderen auch, überhaupt keinen Plan haben, was alles hinter den Kulissen läuft bzw. nicht läuft.
Diskussionen, wie z.B. jetzt keine Nokia Handys mehr zu kaufen finde ich auch so lala. Geile und trendige Handys will jeder haben, aber nur, wenn sie die eigene Geldbörse nicht all zusehr belasten. Und so muss jedes Unternehmen auf die Situation reagieren und die Kostenseite aufs möglichste minimieren. Nur irgendwann, wenn das Lohnniveau der sogenannten "Ostländer" sich unserem angepasst hat, werden die Produktionsstätten wieder hier ankommen. Und da die Ostauslagerung schon fast bis nach China gekommen ist, weil auf dem Weg dorthin die Länder alle schon mächtig an der Preisschraube gedreht haben, wird dieses sicherlich sehr bald der Fall sein.
Verfasst: Montag 21. Januar 2008, 15:21
von Whity
Wenn ich die Beiträge so lese sehe ich das Hauptproblem genau vor Augen:
Solidarität ist für die meisten erst dann von Nöten wenn es einen selbst betrifft.
Leute !! Werdet wach !! Hier werden Steuergelder verbraten um Arbeitsplätze zu vernichten und Menschen die Existenzgrundlage zu nehmen. Und ihr faselt hier von "trendigen Handy´s".
In anderen Ländern (z.B. Frankreich) würden jetzt schon die Barrikaden brennen. Nur die "bekloppten Deutschen" kommen hier mit irgendeinem BWL gefasel das die meisten eh nicht verstehen.
Ich könnte echt
Ohne überheblich zu klingen, aber für die meisten von uns ist das alles kein Problem. Wir haben eine gute Schulbildung und dementsprechend sichere und auch gut bezahlte Jobs. Aber es kann nicht nur Akademiker geben.
Was bitte soll aus den Leuten werden die früher als Bergmann, Schlosser oder bei Nokia am Fliessband gearbeitet haben.
Sollen die alle im CentrO Park die Karten entwerten ??
Es muß auch Jobs für Leute geben die am unteren Rand des Bildungsniveaus angesiedelt sind. Die früher ihr Geld mit ehrlicher, harter, körperlicher Arbeit verdient haben. Und damit sogar eine Familie ernähren konnten.
Wo sind die Jobs für solche Menschen.
So, ich habe fertig !!!!
Verfasst: Montag 21. Januar 2008, 16:10
von Olaf
Whity hat geschrieben:Wenn ich die Beiträge so lese sehe ich das Hauptproblem genau vor Augen:
Solidarität ist für die meisten erst dann von Nöten wenn es einen selbst betrifft.
Leute !! Werdet wach !! Hier werden Steuergelder verbraten um Arbeitsplätze zu vernichten und Menschen die Existenzgrundlage zu nehmen. Und ihr faselt hier von "trendigen Handy´s".
In anderen Ländern (z.B. Frankreich) würden jetzt schon die Barrikaden brennen. Nur die "bekloppten Deutschen" kommen hier mit irgendeinem BWL gefasel das die meisten eh nicht verstehen.
Ich könnte echt
Ralf, ich sehe es ja ein. Und sicherlich bin ich nicht unsoldarisch. Nur wird hier wieder etwas medienwirksam ausgeschlachtet. Sowas passiert mit kleinen Klitschen nicht. Die sterben still und heimlich, vielleicht noch einen kleinen Artikel im Lokalteil des Dorfblattes. Habe ich selber erlebt. Als bei uns 100 (von 170!) Leute entlassen wurden, da gab es keinen Aufschrei in der Presse, keine Solidaritätsbekundungen, keine Diskussionen in Foren etc. etc. Verraten verkauft, seht zu wie ihr klar kommt. Da schreit kein Hahn nach. Kein Kamerateam postiert sich vor den Werktoren und die Gewerkschaft schaut auch nur ab und zu vorbei. Geschweige denn von den Politikern, die publikumswirksam mit Betroffenen unterhalten.
Nochmal: Ich habe wirklich 100% Mitgefühl mit den Betroffenen, mir tun sie und ihre Familien leid. Und ich habe Wut, wenn ich an die verschleuderten Steuergelder denke.
Verfasst: Montag 21. Januar 2008, 19:52
von hasibaer
@Ralf:
schauen wir den Tatsachen in die Augen, es gib keine Arbeit mehr für die von Dir erwähnten Leute, denn
1. arbeiten Maschinen 24h an 365 Tagen im Jahr, und brauchen den Ing. für die Wartung und Überwachung.
2. der Wert der leistbaren Arbeit liegt unter dem Harz IV Satz.
das hatten wir irgendwann mal, da hieß es dann Brot und Spiele fürs Volk
Verfasst: Montag 21. Januar 2008, 20:25
von Whity
@ Olaf
Ich hatte das auch, 1999 sollten bei uns 850 (vom 3500) MA entlassen werden. Der Transport der Maschinen und Werkzeuge nach Ungarn wurde damals von der EU bezahlt.
Die eigenen Kollegen waren damals so bewanert in BWL das sich einige zu den Aussagen hinreißen ließen das ein Stahlbauschlosser bei Siemens ja auch wirklich überbezahlt wäre !!!!!
Heute, knapp 10 Jahre später, sind es die selben "Kollegen" die jammern das die ganze Arbeit ja auf einmal in "Billiglohnländer" wäre.
@ Hasi:
Wenn wir für die von mir angesprochenen Menschen hierzulande keine Arbeit mehr haben dann sage ich nur "Gute Nacht, Deutschland",
Ach übrigens, auch wenn es in Finnland nichtmal das letzte Renntier interessiert, sollte Nokia die Entscheidung nicht doch noch rückgängig machen habe ich das letzte Nokia Handy gehabt.
Nur so können wir als Konsumenten dagegenwirken. Ich weiß auch das es keinen Anbieter mehr gibt der in Deutschland fertigen läßt. Von daher weiß ich auch noch nicht wirklich auf welchen Hersteller ichzurückgreifen soll.
Aber so ganz ohne Handy wäre doch auch mal wieder was feines, oder

Verfasst: Montag 21. Januar 2008, 22:12
von Krabbel
Dass es Bochum keine Möglichkeit der Ansiedlung von Zuliefererfirmen gibt, stimmt nicht! Ich habe keine Ahnung, wie es finanziell aussieht, aber ich weiß, dass allein auf dem Grundstück von NOKIA mehr als genug Platz ist. Zudem ist in unmittelbarer Umgebung gerade erst ein neues Industriegebiet entstanden - auch dort wäre Platz satt!
Zudem ist direkt am Werksgelände angrenzend ein großes Firmengrundstück frei geworden.
Also, Möglichkeiten wären genug vorhanden. Man muss sie nur nutzen wollen!
Klar, was Olaf sagt, ist richtig, aber dennoch finde ich, dass man gerade jetzt anfangen muss sich zu wehren!
Wie soll das denn noch weiter gehen?? Die Kleinen können nicht überleben, weil es größere unmöglich machen. Größere können nicht überleben, weil es wieder größere gibt. Und die ganz Großen verlassen uns auch noch. Sollen wir demnächst alle auf der Straße stehen und um Allmosen betteln?? Wer soll uns die denn noch geben????
Hat mal jemand an die Zukunft gedacht? Was sollen unsere Kinder denn noch machen, wenn wir schon kaputt gehen?? Sollen wir irgendwann an Top 1 der ärmsten Länder stehen??